Die Lunigiana, durch die der Fluss Magra fließt und die an alten Verkehrswegen liegt, ist eine geschichtsträchtige Region. Gerade im Mittelalter entstanden in dieser Gegend zahlreiche Dörfer und befestigte Burgen, wodurch sie den Beinamen „Land der hundert Burgen“ erhielt. Die Hauptakteure jener Zeit waren die Malaspina, das mächtige Adelsgeschlecht, das vom 12. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution über einen Großteil der Lunigiana herrschte.
Die berühmte Aufteilung der Familie in die beiden Zweige „Spino Secco“ und „Spino Fiorito“ führte im Laufe der Jahrhunderte zur Entstehung zahlreicher Feudalherrschaften, die oft miteinander um die Kontrolle über das Gebiet kämpften. Aus diesen Rivalitäten
Die Ereignisse dieser Jahrhunderte, die tief in der Tradition der Lunigiana verwurzelt sind, werden jedes Jahr im Sommer wieder zum Leben erweckt und geben Anlass zu thematischen Veranstaltungen und historischen Nachstellungen, die vom Mittelalter und der Renaissance in der Lunigiana erzählen. Hier die Termine, die man sich 2026 nicht entgehen lassen sollte.
Die Saison der historischen Nachstellungen in der Lunigiana beginnt Ende Juni mit C'era una volta Albiano (26.–27.–28. Juni 2026) (Es war einmal Albiano), einer Veranstaltung, die das Dorf Albiano Magra belebt und die Geschichte seiner Gründung im Jahr 1266 nachvollzieht.
Das erste Juliwochenende bietet hingegen zwei Veranstaltungen, die man nicht verpassen sollte: das Mittelalterfest von Fosdinovo (4.–5. Juli 2026), das das Dorf am Fuße der Burg in die Zeit von Gabriello II. Malaspina zurückversetzt, und Anno Domini AD 1100 (4.–5. Juli 2026) in Regnano di Casola, eine Nachstellung, die von den Ereignissen um den Adligen Guiterno da Regnano und seinem berühmten Vermächtnis an die Kirche von Luni inspiriert ist.
Am 11. und 12. Juli findet hingegen Zùp’r e l’ Borgo in Villafranca in Lunigiana statt, eine Veranstaltung, die die Atmosphäre des mittelalterlichen Dorfes mit Märkten, Statist*innen und Wanderaufführungen wieder zum Leben erweckt.
Im August geht das Programm weiter mit „Tre Sere nel Passato: viaggi straordinari“ (Drei Abende in der Vergangenheit: außergewöhnliche Reisen, 7., 8. und 9. August 2026), einer der besonders sehnlich erwarteten historischen Veranstaltungen in der Lunigiana. An drei Abenden verwandelt sich das Dorf Gragnola in eine Reise durch die Jahrhunderte: An jeder Ecke des Ortes erwachen unglaubliche Kulissen und Statist*innen aus verschiedenen historischen Epochen zum Leben.
In Fivizzano findet erneut die eindrucksvolle „Disfida degli Arcieri di Terra e Corte“ (10., 11. und 12. Juli) statt, bei der an die historische Schlacht von 1572 erinnert wird. Die Bogenschützenmannschaften aus Terra, Guardia, Fittadisio, Verrucola und Montechiaro kämpfen um den Palio (Preis) in einem Präzisionswettbewerb, bei dem jeweils fünf Bogenschützen pro Mannschaft mit traditionellen Holzbögen versuchen, Ziele in 30 Metern Entfernung zu treffen.
Die Veranstaltung erstreckt sich über drei Tage, in denen das Dorf wieder in die Atmosphäre der Renaissance mit Wandervorstellungen, Fahnenschwingern, Musikern und Damen der historischen Gruppe von Fivizzano sowie Künstler*innen unterschiedlicher Art und Kunsthandwerksmärkten eintaucht. Auch fehlt es nicht an gastronomischen Ständen mit typischen lokalen Produkten und Abendessen auf den Plätzen, die die Abende bis zum Höhepunkt begleiten: dem eigentlichen Wettkampf, der am letzten Abend stattfindet, wenn sich das gesamte Dorf um den Bogenschießwettbewerb versammelt, bei dem der Palio (Preis) vergeben wird.
In dem malerischen Dorf Filetto, das noch heute von den alten Renaissance-Stadtmauern umgeben ist, findet Filetto Rinascimentale (12.–16. August 2026) statt.
Fünf Tage lang verflechten sich in einer zeitlosen Atmosphäre Heiliges und Profanes, um so den Geist jener Epoche wieder aufleben zu lassen: Fabelwesen, wandernde Musikanten, Tänzer, Feuershows und überall stattfindende Darbietungen verwandeln Filetto in eine Freilichtbühne, auf der Geschichte und Fantasie zu einem einzigen, mitreißenden Erlebnis verschmelzen.
Jedes Jahr Mitte August erwacht das Dorf Ponticello in Filattiera mit einer Nachstellung, die dem bäuerlichen Leben und den alten ländlichen Traditionen der Lunigiana gewidmet ist, wieder zum Leben. Eine einmalige Gelegenheit, in die Atmosphäre vergangener Zeiten einzutauchen und die Arbeiten und Tätigkeiten wiederzuentdecken, die den Alltag der bäuerlichen Gemeinschaften prägten.
In den Gassen und auf den Plätzen leben alte Handwerksberufe wieder auf, die heute fast verschwunden sind: vom Schmied bis zum Steinmetz, vom Tischler bis zum Hufschmied, über Schuhputzer, Flechter und viele andere Figuren der Volkstradition. Als Rahmenprogramm gibt es Straßenmusik, Live-Auftritte und zahlreiche Gastronomiestände, an denen man die typischen Produkte der Lunigiana probieren kann.
Die Saison der historischen Nachstellungen in der Lunigiana endet in Pontremoli mit Medievalis, das dieses Jahr bereits zum 20. Mal stattfindet und an die Verleihung des Titels „Libero Comune“ (Freie Gemeinde) im Jahr 1226 durch Kaiser Friedrich II. erinnert, der den Ort als „clavis et ianua“ (Schlüssel und Tor) der Toskana bezeichnete.
Zu diesem Anlass verwandelt sich die Altstadt in ein authentisches mittelalterliches Dorf: Autos weichen Wanderern, Händlern, Rittern und alten Handwerksberufen, während Statist*innen und Künstler*innen die Straßen beleben. Das Programm umfasst Aufführungen, Duelle, Falknervorführungen, Fahnenschwinger, Tänze und Bankette, die von den kulinarischen Genüssen des Mittelalters inspiriert sind, um so in das Leben jener Zeit einzutauchen.
Der mit größter Spannung erwartete Höhepunkt ist der Wettstreit Disfida della Cortina di Cazzaguerra, mit der die Veranstaltung ihren Abschluss findet: Die drei historischen Fraktionen von Sommoborgo, Imborgo und dem Contado treten im Duell gegeneinander an, um den begehrten Palio (Preis) zu erringen, bevor das traditionelle Feuerwerk den Ort und die Burg von Piagnaro erhellt.