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Rosa Flamingos am Peretola-See

Pinocchio: wo die Figur geboren wurde

Eine fantastische Reise zwischen Florenz und Sesto Fiorentino auf den Spuren von Carlo Lorenzini – durch Orte, die der Autor selbst erlebte und in der bunten Welt von Pinocchio literarisch verewigte

Carlo Lorenzini, der produktive Kinderbuchautor, dessen berühmteste Schöpfung unbestreitbar Pinocchio ist, wurde 1826 in Florenz geboren. An den Schriftsteller und seine Holzpuppe erinnert man sich – völlig zu Recht – vor allem in Collodi, einem Dorf im Valdinievole-Tal. Von diesem Herkunftsort seiner mütterlichen Familie leitete Lorenzini sein Pseudonym ab; hier befinden sich auch die prachtvolle Villa Garzoni und der berühmte Pinocchio-Park. Doch die eigentlichen Ideen für die Abenteuer von Pinocchio wurden zwischen Florenz und Sesto Fiorentino geboren. Es ist diese faszinierende literarische Verknüpfung, die dazu führte, dass die ersten Leser der Geschichte, die ab 1881 als Fortsetzungsroman erschien, hinter den fiktiven Ortsnamen reale Schauplätze wie Florenz, Castello, Peretola und Sesto wiedererkannten.
Inhalt
  • 1.
    Lorenzini und Florenz: Stationen eines Lebens
  • 2.
    Die Schauplätze der „Abenteuer der Holzpuppe“
  • 3.
    Das Meer
  • 4.
    Eine fantastische Reise

Lorenzini und Florenz: Stationen eines Lebens

Die Gedenktafel zu Ehren von Collodi in Castello
Die Gedenktafel zu Ehren von Collodi in Castello

In der Via Taddea erinnert eine Gedenktafel an der Fassade der Hausnummer 21 an das Geburtshaus von Carlo Lorenzini. Seine Eltern stammten aus einfachen Verhältnissen und arbeiteten für die Familie des Marchese Leopoldo Carlo Ginori. Diese Familie sollte im Leben des jungen Carlo sowie seines Bruders Paolo eine bedeutende Rolle spielen: Paolo leitete später über lange Jahre die Manifattura di Doccia, das schlagende Herz der regionalen Keramikproduktion.

Ginori kümmerte sich um die Ausbildung von Carlo, der das Liceo Classico Galileo in der Via Martelli besuchte, wo eine weitere Gedenktafel an ihn erinnert. Palazzo Ginori in der Via Rondinelli ist ein weiterer Ort, an dem Collodian lebte und an dem er plötzlich auf der Treppe seines Hauses starb, möglicherweise an einem Aneurysma; seine Grabstätte befindet sich stattdessen auf dem Cimitero delle Porte Sante, dem großen Friedhof am Fuße von San Miniato al Monte und mit Blick auf die Stadt.

Eine zentrale Rolle in Lorenzinis Leben spielte zudem der Ort Castello am Fuße der Hügel zwischen Florenz und Sesto Fiorentino, wo die Familie Medici einstige Villen besaß und Lorenzinis Bruder Paolo Eigentümer der Villa Il Bel Riposo war. Für den Autor war dieser Ort eine Art „Buen Retiro“ – ein idyllischer Rückzugsort inmitten einer landschaftlich wunderschönen Natur. owohl der Marchese Ginori als auch die vor den Toren von Sesto Fiorentino gelegene Porzellanmanufaktur waren somit Meilensteine im Leben der Familie Lorenzini.

Die Schauplätze der „Abenteuer der Holzpuppe“

Der Eingang zur Bibliothek „Ragionieri“ in der ehemaligen Manifattura di Doccia
Bibliothek „Ragionieri“ in der ehemaligen Manifattura di Doccia

Die folgenden Stationen bilden das reale, greifbare Fundament, auf dem sich die künstlerische Fantasie entfaltete, um der Geschichte von Pinocchio und seinen skurrilen Abenteuern ihre Form zu geben.

Genau jene engen Gassen von Castello dienten wohl als Kulisse für Pinachios Welt: Dafür sprechen die historischen Handwerksbetriebe (wie die von Geppetto oder Meister Kirsche) sowie die einstige Präsenz eines sehr jungen Dienstmädchens in der Villa Il Bel Riposo. Das blonde, blauäugige Mädchen war kaum mehr als ein Kind und gilt als das reale Vorbild für die Fee, die im Buch auch als „das schöne Kind mit den himmelblauen Haaren“ bezeichnet wird.

Und da wir uns hier zwischen Florenz und Sesto Fiorentino befinden, darf auch das Volksfest von Sesto Ende August nicht unerwähnt bleiben. Dieses farbenfrohe, ausgelassene Treiben lieferte dem Autor höchstwahrscheinlich die perfekte Inspiration für das berühmte „Spielzeugland“ (Paese dei Balocchi).  

Das Meer

Naturschutzgebiet Oasi di Focognano
Naturschutzgebiet Oasi di Focognano

Der kurioseste und überraschendste Aspekt bei der Entstehung von Pinachios Welt aus der Feder Carlo Lorenzinis ist zweifellos das „Meer“ von Peretola. Peretola, ein ehemaliges ländliches Dorf, das heute als Vorort der Stadt gilt und für seinen Flughafen bekannt ist, ist ein Ort, der eng mit alten Adelsgeschlechtern wie den Vespucci verbunden ist (ja, genau die von Amerigo, dem Seefahrer).

Wir befinden uns hier in der sogenannten „Piana“ (Ebene), die noch im 19. Jahrhundert als Sumpfgebiet durch große Wasserflächen charakterisiert war. Von der sumpfigen Natur der Piana sind nur noch wenige, aber bedeutende Spuren übrig geblieben, wie der Peretola-See oder die Stagni di Focognano (WWF-Oase), da die Verstädterung das gesamte Gebiet zerfressen hat. Es liegt nahe, dass die zahlreichen Verweise auf das „Meer“ im Pinocchio-Buch auf dieses „Meer/See“ von Peretola anspielen, das damals regelmäßig von typischen flachen Sumpfbooten überquert wurde. Eine weite Wasserfläche, die man von den Hügeln von Castello aus hervorragend überblicken konnte. Ein „Meer“, eine Wasserfläche, die man vom Hügel von Castello aus gut sehen konnte.  

Eine fantastische Reise

Damit sind wir am Ende dieser fantastischen Reise angelangt – vorbei an den realen Lebensstationen von Carlo Lorenzini, hin zu ihrer kreativen Neuinterpretation in der bunten Welt von Pinocchio. Jener Holzpuppe, deren Nase bei jeder Lüge wächst und die sich ständig in Schwierigkeiten bringt, deren Abenteuer und Missgeschicke jedoch voller Tiefgang und erzählerischer Dichte weit über ein reines Kindermärchen hinausgehen. Die Abenteuer von Pinocchio inspirierten Dutzende von Theater- und Filmadaptionen, darunter den weltberühmten Zeichentrickklassiker von Walt Disney. Große Regisseure von Comencini über Benigni und Garrone bis hin zu Guillermo del Toro ließen sich von dem Stoff faszinieren.

Ein herzlicher Dank für die wertvollen Impulse zu dieser Route gilt Maurizio Bruschi und Anna Soldani, den Autoren des Buches La guida ai luoghi di Pinocchio (Florence Art Edizioni).

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