Am Horizont erscheint sie als ein großer, auf dem Meer ruhender Felsenteppich: Pianosa ist die flachste und eigentümlichste Insel des Toskanischen Archipels, ein helles, leuchtendes Dreieck, das aus dem Meer zwischen Elba und Korsika emporragt. Mit etwas mehr als zehn Quadratkilometern und einer maximalen Höhe von 29 Metern bietet sie eine erstaunliche Landschaft mit zerklüfteten Klippen, kleinen, in den Felsen eingelassenen Buchten und langen, vom Wind geformten Küstenstreifen.
Pianosa ist eine der 7 Inseln, die zum Nationalpark des Toskanischen Archipels gehören.
Von 1858 bis 1998 war Pianosa eine Strafkolonie.
Heute gibt es auf der Insel eine Art offenes Gefängnis, in dem etwa 20 Insassen ständig leben und zum täglichen Leben beitragen, indem sie in den Gemüsegärten und dem einzigen Restaurant der Insel arbeiten.
Diese Bereiche, die durch die so genannte Kirchenmauer vom Dorf getrennt sind, können nur in Begleitung von einem/r autorisierten Führer*in besichtigt werden, wobei die Schutzvorschriften zum Schutz von Pianosa und ihrer Geschichte zu beachten sind.
Die Natur von Pianosa bietet schon auf den ersten Blick das Bild einer besonderen Insel: ein kalkhaltiges und sehr helles Land, das im Laufe der Jahrhunderte von Meer und Wind geformt wurde, wo die mediterrane Macchia niedrig und duftend wächst. Mastixbäume, Rosmarin, Wacholder und Zistrosen durchziehen die Landschaft zusammen mit dem Strandflieder von Pianosa, einer sehr seltenen Art, die neben dem Meerfenchel einige Küstenabschnitte färbt.
Trotz ihrer geringen Größe ist die Insel auch für die Tierwelt ein wertvoller Ort. Hasen, Igel und kleine Nagetiere leben mit einer Vielzahl von Vögeln zusammen, die hier bei ihrem Durchzug Zuflucht finden: Im Frühjahr und im Herbst kann man oft Sturmtaucher, Korallenmöwen, Bienenfresser, Wiedehopfe und Raubvögel beim Überfliegen der Klippen beobachten.
Das sie umgebende Meer birgt einen ebenso besonderen Schatz: eine unglaubliche Neptungras-Prärie.
In den klaren Gewässern tummeln sich Zackenbarsche, Zahnbrassen, Goldbrassen, Muränen und Langusten, die jeden Tauch- oder Schnorchelgang, selbst wenige Meter vom Ufer entfernt, zu einem beeindruckenden Erlebnis machen.
Die Geschichte ist in jedem Winkel der Insel spürbar, mit prähistorischen Höhlen, von Menschenhand geschaffenen Unterkünften und Spuren aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit.
Die Überreste aus der Römerzeit gehören zu den faszinierendsten: der Hafen, die Bagni di Agrippa (Agrippa-Thermen) - wo Agrippa Postumo, der Enkel des Augustus, eingesperrt war - und andere Stätten, die von der privilegierten Rolle Pianosas im antiken Mittelmeerraum zeugen.
Dieses außergewöhnliche Erbe setzt sich in den frühchristlichen Katakomben fort, in denen über siebenhundert Gräber in den Felsen gehauen sind: ein einzigartiger Komplex in der Toskana, der deren archäologischen Wert bestätigt.
Die Insel Pianosa bietet eine Reihe von Erlebnissen, um Natur, Geschichte und Atmosphäre zu entdecken.
Mit Führungen kann man das Dorf, die frühchristlichen Katakomben, die Casa dell’Agronomo (Haus des Agronomen) und wertvolle archäologische Stätten wie die Agrippa-Thermen erkunden.
Für all jene, die gerne in der Natur unterwegs sind, gibt es Wanderungen durch uralte Gefängnisarme, Themenpfade, Mountainbike-Touren und Kajak- oder Schnorchelausflüge entlang der wildesten Küsten.
Auch mangelt es nicht an Ausflügen, Kutschenfahrten und besonderen Touren in der Morgen- oder Abenddämmerung.
Alle Aktivitäten werden mit autorisierten Führer*innen durchgeführt und können online gebucht werden.
Um die Insel das ganze Jahr über zu erreichen, kann man jeden Dienstag von Piombino mit einem Zwischenstopp in Rio Marina abfahren. Außerdem gibt es einen täglichen Linienverkehr zur Insel Pianosa im Auftrag der Gemeinde Campo nell'Elba.
Ein Besuch in Pianosa bedeutet, in einen Ort einzutauchen, an dem die Zeit stillsteht, die Natur noch die Hauptrolle spielt, die Spuren der Vergangenheit diskret zum Vorschein kommen und den Besucher auf eine bedeutungsvolle, unvergessliche Reise begleiten.