Die Reise beginnt in Pisa, wo Galileo Galilei im Jahr 1564 geboren wurde, im Herzen der Altstadt. Noch heute kann man in den Gassen, auf den Plätzen und an den Orten, die mit seinem Studium und seinen Beobachtungen zu tun haben, den Spuren seines Lebens folgen.
Der erste Blick kann nur auf der Piazza dei Miracoli ruhen, einem der berühmtesten Plätze der Welt. Zwischen dem Dom, dem Baptisterium und dem Schiefen Turm beobachtete Galilei der Überlieferung nach den Schwingungen des großen Leuchters des Doms und erkannte das Prinzip des Pendels. Wenn man in diesem Raum wandelt, taucht man in einen Ort ein, an dem Kunst, Mathematik und Wunder aufeinandertreffen, und wird von der gleichen Ehrfurcht erfüllt, die seine wissenschaftliche Neugierde beflügelte.
Vom Zentrum aus erreicht man Borgo Stretto, eine der charakteristischsten Straßen der Stadt, die heute Geschäfte und Boutiquen beleben. Hier, an der Ecke zur Via Mercanti, erinnert eine Gedenktafel an das Elternhaus, in dem eben dieser Galilei geboren wurde.
Der Spaziergang führt weiter zur Piazza delle Vettovaglie, einem schon zu Galileis Zeiten belebten Platz, auf dem der Wissenschaftler die Zeit als Student verbrachte. Nicht weit entfernt befindet sich der Palazzo della Sapienza, ein historischer Universitätsstandort, der von Cosimo I. de' Medici gegründet wurde und in dem Galilei Mathematik lehrte.
Unter dem Portikus, dem Eingang zur Historischen Aula Magna, steht eine Statue, die dem Wissenschaftler gewidmet ist.
Zu den eindrucksvollsten Stationen gehört das Museo Nazionale di Palazzo Reale (Nationalmuseum des Königspalastes), der ehemaligen Residenz der Familien Medici, Lothringen und Savoyen. Vom Turm aus hat man einen weiten Blick über die Stadt: Genau von hier aus beobachtete Galilei mit seinen Instrumenten den Himmel.
Wenn man den Arno auf der Solferino-Brücke überquert, stößt man schließlich auf ein zeitgenössisches Zeichen seines Vermächtnisses: das große Wandgemälde des Straßenkünstlers Kobra. Das Werk stellt Galilei dar, der den Turm von Pisa als Fernrohr benutzt, ein Symbol der Wissenschaft, Erforschung und Verbindung zwischen verschiedenen Welten.
Zu den weniger bekannten, aber faszinierenden Stationen der Reise auf den Spuren Galileis in der Toskana gehört die Villa Le Selve in Porto di Mezzo, im Gebiet von Lastra a Signa.
Mitten in der Landschaft auf der antiken Via Pisana, dominiert dieses herrschaftliche Haus die Landschaft von einem Hügel aus und legt Zeugnis über eine jahrhundertelange Geschichte ab, die mit bedeutenden Familien und Protagonisten der Florentiner Renaissance verbunden ist.
Diese Residenz gehörte unter anderem der Familie Salviati und beherbergte den Wissenschaftler, dank seiner Freundschaft mit Filippo Salviati, zwischen 1610 und 1614.
Hier führte Galilei astronomische Beobachtungen durch, insbesondere über Sonnenflecken, und noch heute bewahrt die Villa ein Porträt von ihm, das ihn bei der Betrachtung des Himmels zeigt.
Die Tour führt weiter nach Florenz, der Stadt, in der Galilei lange Zeit lebte und in der ein Großteil seines wissenschaftlichen Denkens reifte.
Hier fand er ein Umfeld, das offen für die Konfrontation von Wissenschaft, Kunst und Philosophie war, und entwickelte einen Großteil seines Gedankenguts.
Heute kann man das Museo Galileo besuchen, in dem Originalinstrumente, Manuskripte und mit seinen Forschungen verbundene Erfindungen ausgestellt sind.
Ein weiterer bedeutender Ort ist die Basilika Santa Maria Novella, in der der Dominikaner Tommaso Caccini 1614 eine Predigt gegen Galilei und die kopernikanische Lehre hielt.
Auf den Hügeln südlich der Stadt, im Stadtteil Arcetri, liegt die Villa Il Gioiello, in der Galilei nach seinem Prozess seine letzten Lebensjahre verbrachte.
Hier setzte er, inzwischen fast blind, seine Studien und Schriften fort und führte einen regen Dialog mit Gelehrten und Schülern. Die Landschaft der Weinberge und Olivenhaine vermittelt immer noch eine heimelige, kontemplative Dimension, die mit der eher menschlichen Seite des Wissenschaftlers verbunden ist.
Die Reise endet in der Basilika Santa Croce, wo Galilei neben einigen der großen Protagonisten der italienischen Kultur begraben ist.
Sein Grabmal erzählt von der Anerkennung eines Gedankens, der, obwohl er zunächst abgelehnt wurde, die Wissensgeschichte für immer verändert hat.