Siena ist nicht nur die Stadt des Palio, des Sandsteins Pietra Serena und der mittelalterlichen Türme, sondern auch eine Stadt mit vielen Grünoasen, historischen Villen und geheimen Gärten, die zu einem Spaziergang an der frischen Luft, zu einem Moment der Entspannung oder zum Eintauchen in die Düfte und Farben der Natur einladen. Auf einer Art „Blumenstraße" kann man ungeahnte Orte entdecken, wie Stadtparks, botanische Gärten und inmitten majestätischer Gärten eingebettete Villen.
Der Botanische Garten nahe der Porta Tufi ist eines der wichtigsten grünen Täler der Stadt. Er wurde 1856 gegründet, ist etwa zweieinhalb Hektar groß und hat noch viele Spuren seiner ursprünglichen Funktion bewahrt: ein „Orto dei Semplici“ (Garten der Einfachen), der den Heilpflanzen gewidmet ist. Mehr als 2.000 Pflanzenarten können hier bewundert werden, darunter Ginkgo, Riesenmammutbäume, Tannen, Wacholder und seltene tropische Pflanzen in den warmen Gewächshäusern, dem Tepidarium und in der Orangerie. Der Garten bildet verschiedene natürliche Umgebungen nach, von der Küste bis zum Gebirge, einschließlich Wasser- und Felsgebieten, mit dem Ziel, die Artenvielfalt und die Umwelterziehung zu fördern.
Im Herzen der Altstadt, nahe der Kirche Sant'Agostino, liegen die Orti de' Tolomei, ein kleines grünes Juwel, das zwischen den Gemäuern der Stadt verborgen ist. Dieser Park mit seinen Oliven- und Obstbäumen bietet eine natürliche Terrasse, von der aus man einen spektakulären Blick auf die Stadt genießen kann. Zwischen den Bäumen befindet sich auch die zeitgenössische Skulptur „The Drop" von Tony Cragg, ein Wahrzeichen des Viertels Contrada della Tartuca, das den Park für kulturelle Veranstaltungen, Konzerte und Aufführungen im Freien nutzt.
Die Medici-Festung auch bekannt als Forte di Santa Barbara, ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Geschichte und Natur nebeneinander bestehen können. Sie wurde im 16. Jahrhundert auf Geheiß von Karl V. erbaut, später von Cosimo I. dei Medici umgebaut und ist heute ein Ort der Entspannung und des Sports. Die Alleen, die die Stadtmauern säumen, werden von Sienesen und Touristen gleichermaßen zum Joggen und für sportliche Aktivitäten im Freien genutzt, während im großen Amphitheater kulturelle und musikalische Veranstaltungen stattfinden. Die darunter liegenden Gärten runden das Erlebnis ab und verwandeln die Festung in eine grüne Zitadelle im Herzen der Stadt.
Der Orto dei Pecci (Pecci-Garten), im Porta Giustizia-Tal gelegen, ist eine wahre grüne Lunge, nur wenige Schritte von der Piazza del Campo entfernt. Im Mittelalter als Kulturland gegründet und im Laufe der Jahrhunderte in öffentliche Gärten umgewandelt, wird er heute von der Sozialgenossenschaft „La Proposta" verwaltet, die ihn pflegt und auch als Raum für soziale Inklusion zur Geltung bringt. Hier gibt es biologisches Gemüse, Kinderspielplätze und kann man entspannende Momente inmitten der Natur im Rahmen der Geschichte und Legenden der Stadt genießen.
Die Belcaro-Burg, zunächst mittelalterlicher Weiler, der später in eine Landvilla umgewandelt wurde, hat bis heute noch das Aussehen eines alten, mitten im Grünen gelegenen Herrenhauses bewahrt. Eine Allee aus jahrhundertealten Eichen wie Stein-, Flaum- und Zerreichen führt durch einen weitläufigen Park mit einheimischen und exotischen Bäumen, darunter Toskana- und Arizona-Zypressen, Zedern und Tannen. Innerhalb der Burgmauern befindet sich hingegen ein „geheimer Garten" mit geometrischen Blumenbeeten, die von Buchsbaumhecken und einer Sammlung von im Topf wachsenden Zitronenbäumen begrenzt werden.
Im Umland von Siena gibt es zahlreiche historische Villen, die von besonders reizvollen Gärten umgeben sind. Die Vicobello-Villa mit ihrem, Baldassarre Peruzzi zugeschriebenen Garten aus dem 16. Jahrhundert bietet dem Besucher geometrische Terrassen, eine Orangerie und Blumenbeete; der Garten kann in der Regel nach Voranmeldung besichtigt werden, so dass die Besucher die Zierflächen in aller Ruhe genießen können.
Die Burg Castello di Belcaro, ein mittelalterlicher Weiler, der in eine Landvilla umgewandelt wurde, beherbergt einen Park mit Eichen, Zypressen und Zedern sowie einen „geheimen Garten" mit im Topf wachsenden Zitronenbäumen und geometrischen Blumenbeeten; der Zugang ist im Rahmen von Führungen oder Veranstaltungen möglich, die von den Eigentümern organisiert werden.
In Sovicille liegt die von Carlo Fontana entworfene Cetinale-Villa inmitten eines symbolträchtigen Parks aus dem 18. Jahrhundert mit formalen Gärten, Zypressenalleen und der Tebaide, einem Meditationswald; die Anlage kann nach Voranmeldung besichtigt werden, oft im Rahmen von kulturellen Veranstaltungen oder Führungen.
Ebenfalls in Sovicille befindet sich die Burg Castello di Celsa, eine prächtige neugotische Residenz mit großen Terrassen, geometrischen Blumenbeeten und Terrakotta-Vasen in einem einzigartigen landschaftlichen Kontext; auch hier kann man den Garten vorwiegend nach Vereinbarung oder im Rahmen von Führungen besichtigen.
Siena und sein Territorium zeigen, dass die Stadt neben dem Charme ihrer Plätze und Monumenten auch ein außergewöhnliches grünes Erbe zu bieten hat. Historische Villen, botanische Gärten und Stadtparks ermöglichen es, die Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu erleben, wo Natur, Geschichte und Kultur auf einem Entdeckungspfad inmitten von Düften, Farben und zeitloser Schönheit aufeinander treffen.