Der Palazzo dei Capitani, der Ende des 14. Jahrhunderts erbaut wurde, ist eines der bedeutendsten historischen und baulichen Wahrzeichen von Palazzuolo sul Senio. Das im Herzen des Dorfes gelegene Gebäude zeugt von der strategischen Bedeutung, die dieses Gebiet in vergangenen Jahrhunderten als Grenzgebiet zwischen der Toskana und der Romagna hatte. Sein Bau steht in engem Zusammenhang mit der Ausdehnung und Festigung der Macht der Florentiner Republik, die in die Randgebiete eigene Vertreter mit Verwaltungs-, Justiz- und politischen Kontrollaufgaben entsandte.
Der Palast entstand nämlich als Sitz des Volkshauptmanns, also der von Florenz beauftragten Magistrate, die die lokale Gemeinschaft regieren und die Einhaltung der Gesetze sowie die Wahrung der Interessen der Republik gewährleisten sollten. Noch heute sind an der Fassade zahlreiche Wappen der Hauptmänner zu sehen, die im Laufe der Jahrhunderte nacheinander im Amt waren. Diese Wappen sind ein außergewöhnliches historisches Zeugnis, das die Verwaltungsgeschichte der Region und die politische Verbindung zwischen Palazzuolo sul Senio und der Stadt Florenz verdeutlicht.
Aus architektonischer Sicht zeichnet sich der Palazzo dei Capitani durch die Eleganz seiner Formen sowie durch einige besonders wertvolle Elemente aus. Die eindrucksvolle Eckloggia, die das Gebäude prägt und sein spektakuläres Erscheinungsbild bereichert, ist einer der markantesten Orte der Altstadt. Den Komplex dominiert zudem der Uhrturm, ein Orientierungspunkt für die Gemeinde und Symbol der bürgerlichen Macht, die jahrhundertelang ihren Sitz im Palast hatte. Der Turm, der von verschiedenen Stellen des Ortes aus zu sehen ist, prägt das Stadtbild des Ortes und ist eines seiner charakteristischsten Merkmale.
Auch heute noch erfüllt der Palazzo dei Capitani eine wichtige kulturelle Funktion. Denn darin befinden sich das Archäologische Museum des Alto Mugello und das Museo delle Genti di Montagna (Museum der Bergbewohner), zwei Einrichtungen, die das historische, archäologische, völkerkundliche und kulturelle Erbe der gesamten Region bewahren und zur Geltung bringen. Die ausgestellten Sammlungen bieten den Besucher*innen die Gelegenheit, ihr Wissen über die alten Völker, die diese Gebiete bewohnt haben, und über die Traditionen, die das Leben der Berggemeinden im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben, zu vertiefen.