Das Oratorium in der Ortschaft Rota, unweit des Dorfes Castagno d'Andrea, in der Gemeinde San Godenzo, ist ein bedeutendes Zeugnis der Volksfrömmigkeit, die jahrhundertelang die an den Hängen des Monte Falterona ansässigen Gemeinden geprägt hat. Eingebettet in eine Naturlandschaft von großem landschaftlichem und ökologischem Wert im Gebiet des Nationalparks Foreste Casentinesi, Monte Falterona und Campigna, bewahrt dieser kleine Sakralbau noch heute den Charme der ländlichen Andachtsstätten, die das tägliche Leben der Bergbevölkerung geprägt haben.
Das 1748 errichtete Gebäude weist einen Eingang mit einem vorgelagerten Kirchplatz auf, der sechs Stufen höher als die Straße liegt. Der Kirchplatz ist mit Steinplatten gepflastert und von einem Walmdach bedeckt, das von quadratischen, auf einer kleinen Sitzmauer ruhenden Steinsäulen getragen wird. Über der von Stein eingerahmten Tür befindet sich das Wappen mit einem „M“, dem Symbol für Maria, und der Jahreszahl MDCCLXXXXV, die auf das Baujahr des Walmdachs hinweist. An der Rückseite ragt ein niedrigerer Apsiskörper hervor, in dem sich wahrscheinlich einst der Chor befand; heute ist er verschlossen und zur Sakristei umgebaut.
Der Innenraum ist schlicht, doch man kann dort eine „Skizze“ von Antonio Ciccone, einem Schüler von Annigoni, sehen; hinter dem Hauptaltar befindet sich in einer Nische das Bildnis der Jungfrau Maria.
Das Oratorium ist historisch mit der Pfarrei San Martino verbunden, der es in Hinblick auf Gottesdienste und seelsorgerische Betreuung der Bewohner des Gebiets unterstand.
Für alle, die auf den Wegen dieses Gebiets unterwegs sind oder die historischen Ortsteile rund um Castagno d’Andrea besuchen, ist das Oratorium eine lohnende Zwischenstation, die historisches Interesse, Spiritualität und Kontakt zur Natur miteinander verbindet.