Zeitgenössische Architektur, ökologische Nachhaltigkeit und Weinkultur treffen in zwölf toskanischen Weingütern aufeinander, in denen der Entwurf im Gebiet verwurzelt ist und dessen Formen zwanglos nachvollzieht.
Gebäude, die sich in die Landschaft einfügen, bei denen das natürliche Licht, die Schwerkraft und die klimatischen Bedingungen als integrierender Bestandteil des Produktionsprozesses genutzt werden.
In diesen Weingütern wird die Architektur zu einem stillen Instrument ganz im Dienste des Weins und der Umwelt: Die Entwürfe sind Teil der Toscana Wine Architecture, der Route, die einige der bedeutendsten Designer-Weingüter der Region vereint.
Als Zeugnis jahrhundertelanger Verbundenheit mit diesem Landstrich erzählt das Weingut Antinori im Chianti Classico-Gebiet eine Geschichte, die im Jahr 1385 begann und in der Weinbautradition und architektonische Innovation in ausgewogenem Verhältnis zueinander stehen.
Das 2012 eröffnete und vom Büro Archea Associati entworfene Weingut fügt sich fast unsichtbar in die Landschaft ein: Das in den Hang eingebettete Dach ist die ideelle Fortsetzung des natürlichen Profils und mit Weinreben bepflanzt.
Von außen ist das Gebäude nur durch zwei horizontale Schlitze zu sehen, die das Licht hereinlassen und den Blick auf das Chianti-Gebiet freigeben.
Dank der Wahl einer unterirdischen Architektur können die natürlichen Bodenverhältnisse für die Klimaregulierung genutzt und so die Umweltbelastung und der Energieverbrauch reduziert werden.
Auch der Herstellungsprozess folgt einem natürlichen Prinzip: Die Weinbereitung erfolgt durch die Schwerkraft, von der Zufuhr der Trauben bis zum unterirdischen Barriquekeller, und begleitet den Wein auf einem Weg, der mit der Morphologie des Bodens im Einklang steht.
Die Ursprünge des Dorfes Il Borro gehen auf das toskanische Mittelalter und die Ereignisse der Familien zurück, die seine Geschichte geprägt haben. Eingebettet in ein kunst- und kulturreiches Gebiet zwischen Florenz, Arezzo und Siena, ist Il Borro tief in der Vergangenheit verwurzelt: Im Laufe der Jahrhunderte haben die Medici, die Savoyer und seit 1993 die Familie Ferragamo seine Identität geschützt, seinen Charme bewahrt und das Anwesen in eine Oase des Umweltbewusstseins verwandelt, das seit 2015 vollständig biologisch bewirtschaftet wird.
Das Anwesen liegt im Herzen des Valdarno, inmitten von unberührten Wäldern und sanftem Hügelland. Das vom Architekten Elio Lazzerini entworfene Weingut fügt sich in diesen Kontext ein und ist als natürliche Fortsetzung des mittelalterlichen Dorfes und der umliegenden ländlichen Landschaft konzipiert.
Das 2004 errichtete Weingut ist ein Backsteinbau mit traditionellem Grundriss, der teilweise als Kellergewölbe angelegt ist und sowohl optisch als auch funktionell das alte Bauernhaus in Erinnerung ruft.
Die Materialien erinnern an die örtliche ländliche Architektur, während der geschwungene Grundriss dazu beiträgt, die optisch beeinträchtigende Wirkung des Komplexes zu reduzieren.
Ein langer unterirdischer Tunnel verbindet es mit dem historischen unterirdischen Weinkeller, der heute für die Reifung und Verkostung genutzt wird.
Das Weingut Caiarossa liegt inmitten der Weinberge von Riparbella, einem kleinen mittelalterlichen Dorf an den Hängen eines Hügels, der die Etruskerküste überragt. Ein landwirtschaftlicher, natürlicher Kontext, der ganz im Einklang mit dem Charakter des Weinguts steht.
Die Geschichte von Caiarossa begann 1998 mit der klaren Entscheidung, die Prinzipien der biodynamischen Landwirtschaft als Grundlage für die Bewirtschaftung der Weinberge zu übernehmen.
Das Weingut erstreckt sich über etwa 70 Hektar, von denen etwas mehr als die Hälfte von Weinbergen eingenommen wird, die aus einem Mosaik von 11 Rebsorten bestehen, die ausgewählt wurden, um die Komplexität und Vielfalt der Böden bestmöglich zu unterstreichen.
Der Name selbst, Caiarossa, erinnert an die intensive Farbe des Bodens, der das Anwesen prägt.
Das 2001 nach einem Entwurf der Architektin Isabella Monteforte errichtete Weingut ist von den Prinzipien der geobiologischen Architektur und des Feng Shui inspiriert, die die Form, die Ausrichtung und die Materialien bestimmt haben.
Eingebettet in den natürlichen Hang des Hügels, ist es nach einem auf der Schwerkraft beruhenden Produktionszyklus strukturiert: Die Trauben werden von oben zugeführt und auf natürliche Weise durch die Phasen der Weinbereitung und des Ausbaus bis hin zum unterirdischen Bereich für die Reifung begleitet, wo Temperatur und Feuchtigkeit konstant sind.
Das Weingut Salcheto bietet Blick auf Montepulciano, im Herzen des Vino Nobile-Gebiets.
Unter der Leitung von Michele Manelli verbindet es die Vision fortschrittlicher Produktion mit der starken Bindung an das lokale Umfeld.
Die Architektur des Weinguts mit ihren essentiellen Linien und ihrem markanten zeitgenössischen Charakter bringt einen Ansatz zum Ausdruck, der auf Experimentierfreude und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, während die Weine mit dem Ziel hergestellt werden, das Gebiet in authentischer Weise widerzuspiegeln.
Das Weingut ist als offener, barrierefreier Ort konzipiert: Ein Großteil der Räume kann besichtigt werden und ermöglicht es, die verschiedenen Phasen der täglichen Arbeit, von der Produktion bis zur Reifung, genau zu verfolgen.
Das vom Architekten Mario Botta entworfene Weingut Petra befindet sich in Suvereto, im Herzen der Etruskerküste, und ist als integrierender Bestandteil der umliegenden Hügellandschaft konzipiert.
Das Anwesen ist in einen großen natürlichen Kontext zwischen den Colline Metallifere, dem Montioni-Park, dem Naturschutzgebiet Poggio Tre Cancelli und dem Sterpaia-Park eingebettet, wo die Beziehung zwischen Architektur und Umwelt im Mittelpunkt steht.
Das Gebäude ist in den Hang gehauen und von außen fast nicht zu sehen: eine Entscheidung, die die optisch beeinträchtigende Wirkung reduziert und es ermöglicht, die natürlichen Gegebenheiten des Bodens zu nutzen.
Mitten in der Struktur befinden sich die Reifungsgewölbe, die für Barriques und Flaschen bestimmt sind. Sie werden von einem langen Tunnel durchquert, der zu einer freigelegten Felswand führt, die den Abschluss des Produktionsweges bildet.
Ein prägendes Element des Projekts ist das große zylindrische Volumen, das das gesamte Gebäude gliedert und für die Zufuhr- und Weinbereitungsphasen bestimmt ist.
Um diese Achse strahlt natürliches Licht in die Innenräume und bietet ein Schauspiel, in dem Technologie, Landschaft und Sinneswahrnehmung verschmelzen, um so die Architektur in die Landschaft zu integrieren.
Rocca di Frassinello in Gavorrano ist ein von Renzo Piano entworfenes Weingut, das sich perfekt in das Hügelland Maremma einfügt.
Das 2007 dank der Zusammenarbeit zwischen Castellare di Castellina und Domaines Barons de Rothschild - Château Lafite entstandene Bauwerk ist als essentieller Produktionsorganismus konzipiert, der der natürlichen Morphologie des Geländes folgt, um so den landwirtschaftlichen Kontext nicht zu dominieren sondern zu begleiten.
Das Gebäude ist, dem Weinherstellungszyklus folgend, nach dem Prinzip der Schwerkraft entworfen: Die Trauben durchlaufen die verschiedenen Verarbeitungsstufen auf natürliche Weise, wodurch mechanische Eingriffe und der Energieverbrauch reduziert werden.
Der Turm, der aus dem Hügel emporragt, hat eine ganz bestimmte Funktion: Er fängt das Licht ein und leitet es in den Barriquekeller, der etwa 50 Meter tief in den Felsen gehauen ist, wo die Trägheit des Bodens stabile Bedingungen für den Ausbau des Weins garantiert.
Im Herzen der Maremma, inmitten von sich zum Meer hin öffnenden Hügeln, und einer von Licht und Wind geprägten Landschaft spiegelt das Weingut Ammiraglia die zeitgenössische Toskana wider, die zu neuen Horizonten aufbricht.
Hier hat sich die Familie Frescobaldi entschieden, in ein warmes, lichterfülltes Gebiet zu investieren, dessen Klima durch die Meeresbrise gemildert wird. Das Ergebnis sind Weine, die Inbegriff von Frische, Mineralität und markanter territorialer Identität sind.
Das 2006 von den Architekt*innen Piero Sartogo und Nathalie Grenon entworfene Weingut fügt sich wie ein leichtes, dynamisches Element in den natürlichen Hang des Hügels ein: ein länglicher Bau, der wie ein dem Meer zugewandter Schiffsbug anmutet.
Das Gebäude ragt durch einen schmalen Spalt aus dem Boden, so dass der Großteil der Fläche von Grün und Vegetation bedeckt ist und in ständigem Dialog mit der umgebenden Landschaft steht.
Das Weingut ist in erster Linie als Arbeitsplatz konzipiert und verbindet technologische Innovation und Umwelteffizienz.
Die Entscheidung, den Produktionszyklus auf einer einzigen Ebene anzulegen, wo die Trauben von oben zugeführt werden und die Weinbereitung durch Schwerkraft erfolgt, ermöglicht es, den Energieverbrauch und beeinträchtigende mechanische Eingriffe zu reduzieren, während gleichzeitig optimale Bedingungen für die Weinqualität gewährleistet sind.
Mit Blick auf die Chianti-Hügel oberhalb von Siena stellt das Weingut Fonterutoli ein Gleichgewicht zwischen historischer Kontinuität und zeitgenössischer Vision dar.
Das Weingut, das sich seit 1435 im Besitz der Familie Mazzei befindet, ist das Ergebnis fundierter Kenntnisse des Territoriums, die in jahrhundertelanger Arbeit reifen und durch mehr als fünfzig Jahre Erforschung des Sangiovese verfeinert werden konnte.
Das Herzstück des Weinguts, das 2008 von Agnese Mazzei entworfen wurde, geht in die Tiefe.
Die weitgehend unterirdische Architektur reduziert die optisch beeinträchtigende Wirkung und nutzt die natürlichen Bedingungen des Untergrunds zur Wärmeregulierung, wodurch der Energieverbrauch gesenkt wird.
Die Struktur ist vertikal auf mehreren Ebenen konzipiert, so dass der Produktionszyklus durch die Schwerkraft erfolgt.
Ein prägendes Element des Projekts ist das Augenmerk auf Mikrovinifikation.
Am Fuße des Monte Amiata, im Gebiet von Cinigiano, fügt sich das Weingut ColleMassari harmonisch in die Landschaft des DOC Montecucco (mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung) ein, einem Gebiet, das sich durch ein für den Weinbau besonders günstiges Mikroklima auszeichnet.
Das Landgut hat seinen Namen von der alten Burg von ColleMassari, deren Ursprünge auf das 14. Jahrhundert zurückgehen, als sie als befestigter Getreidespeicher für das Gebiet diente.
Das 2003 nach einem Entwurf des Architekten Edoardo Milesi fertiggestellte Weingut ist nach den Grundsätzen der Bioarchitektur konzipiert und vorwiegend in den Hügel gebaut.
Die Produktions-, Lager- und Technikbereiche befinden sich in einem Untergewölbe, wobei die thermische Trägheit des Bodens genutzt wird, um stabile Umweltbedingungen zu gewährleisten und den Energieverbrauch zu reduzieren.
Das Weingut ist kein Gebäude im herkömmlichen Sinne, sondern eine Abfolge von offenen und überdachten Räumen, die die landwirtschaftlichen Aktivitäten begleiten sollen, ohne die Landschaft zu dominieren.
Das Podere di Pomaio ist ein Weingut mit zeitgenössischem Charakter, das tief in der Geschichte und der Erinnerung an das Gebiet um Arezzo verwurzelt ist.
Der Name selbst ist sehr alten Ursprungs: Pomarium, Ort der Früchte, der eine primäre Beziehung zum Land und zur Kulturlandschaft in Erinnerung ruft.
Das Weingut ist in den Hügeln oberhalb der Stadt, in etwa 500 m Höhe an der alten Trasse des etruskischen Aquädukts gelegen.
Das im Jahr 2009 nach Entwurf der Architektin Marisa Lo Cigno errichtete Weingut besteht aus großen Sandsteinblöcken, einem Material uralten Ursprungs, das zum strukturellen und symbolischen Bestandteil des Gebäudes wird.
Das mit hochporösem natürlichem Mörtel verarbeitete Mauerwerk ermöglicht eine natürliche Raumlüftung und begünstigt die Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung ohne energieverschwendende Systeme.
Natürliche Materialien wie Stein, Holz und Kalk stehen im Einklang mit dem leichten Metalldach, das das Gebäude schützt und große Säulengänge schafft, die im Sommer der Überhitzung entgegenwirken.
Am südlichen Ausläufer der Insel Elba, mit Blick auf einen der wildesten Abschnitte des toskanischen Archipels, befindet sich die Fattoria delle Ripalte, ein von Tobia Scarpa entworfenes Weingut, das sich perfekt in die Landschaft aus mediterraner Macchia, Meer und terrassierten Weinbergen einfügt.
Das Gut wurde 1896 gegründet und umfasst heute rund 450 Hektar, die vollständig im Nationalpark des Toskanischen Archipels liegen.
In dieser Umgebung befinden sich besonders günstig gelegene Weinberge: steinige, stark durchlässige, oft terrassenförmig angelegte Böden.
Eine Entscheidung, bei der Qualität vor Quantität geht, was in einer begrenzten, stark identitätsbezogenen Produktion zum Ausdruck kommt.
Das Bauwerk schmiegt sich an einen Hang, den bereits in der Vergangenheit der Bergbau prägte, und nutzt ein zuvor beeinträchtigtes Gebiet, indem die Auswirkungen auf die umliegende unberührte Landschaft auf ein Minimum reduziert werden.
Die Beförderung der Trauben und des Weins erfolgt durch Schwerkraft, die die verschiedenen Phasen des Herstellungsprozesses auf natürliche Weise begünstigt.
Die Abdeckung bildet eine große Terrasse zur Trocknung der Trauben, die die Weinberge, die Küste von Elba und den gesamten Archipel überragt.
In der Hügellandschaft der Maremma, im Dorf Tatti, fügt sich das Weingut Sequerciani fast unmerklich in die Umgebung ein, indem es dank seiner unterirdischen Struktur den Einklang mit der Landschaft fördert.
Das von dem Schweizer Architekten Sergio Cavero entworfene Projekt basiert auf der konkreten Idee, die optische und ökologische Auswirkung auf ein Minimum zu reduzieren und die Erde selbst die Form, das Klima und die Funktion des Gebäudes bestimmen zu lassen.
Der Weinkeller ist in den Hang gehauen und um eine geometrische Grundstruktur angelegt.
In einem kreisrunden Bau befindet sich der Gärungsraum, das produktive Herzstück der Anlage, der mit einem kurvenförmigen unterirdischen Weg verbunden ist, wo die verschiedenen Arbeitsschritte abgewickelt werden.
Die Tiefe sorgt für ein natürliches, stabiles Mikroklima, das für die Weinbereitung und den Ausbau unerlässlich ist und den Einsatz künstlicher Temperatur- und Feuchtigkeitsreguliersysteme reduziert.
Aus ökologischer Sicht werden passive Lösungen in das Projekt eingebunden: Nutzung der thermischen Trägheit des Bodens, Regenwassersammlung sowie Senkung des Energieverbrauchs.